Schwerer Unfall auf der B 253: Eine Frau stirbt, fünf Schwerverletzte

Dienstag, den 06. August 2019 um 19:28 Uhr Verfasst von  Matthias Böhl
Eine tote Frau und fünf Schwerverletzte sind die traurige Bilanz dieses Unfalles. Eine tote Frau und fünf Schwerverletzte sind die traurige Bilanz dieses Unfalles. Fotos: Matthias Böhl, 112-Magazin

OBERDIETEN. Ein verheerender Verkehrsunfall hat am Morgen ein Todesopfer gefordert, fünf weitere Menschen wurden teils lebensgefährlich verletzt.

Die Bundesstraße 253 war trocken am Morgen, die Sicht war gut. Wie es zu dem folgenschweren Zusammemstoß kam, dazu ermitteln aktuell noch die Polizei und ein Gutachter, sowie die Staatsanwaltschaft. Es gebe unterschiedliche Schilderungen, was genau geschehen sei, erklärte die Polizei in einer Pressemitteilung.

Beim Eintreffen an der Einsatzstelle hat die Feuerwehr eine Absperrung vorgenommen und den Durchgangsverkehr bereits in Niederdieten umgeleitet. „Die Presse darf durch“, höre ich einen Feuerwehrmann sagen. Vorsichtig taste ich mich weiter. Auf keinen Fall möchte ich Rettungsfahrzeuge sperren. Von weitem kann ich die Einsatzstelle bereits erkennen. Die Bundesstraße 253 die die Ortschaften Niederdieten und Oberdieten in Richtung Dillenburg miteinander verbindet, ist an dieser Stelle breit ausgebaut. Heu auf der Straße deutet daraufhin, dass der Rettungshubschrauber vor kurzem wieder abgeflogen ist. „Er hat den 36-jährigen Benz-Fahrer mit lebensgefährlichen Verletzungen in die Gießener Uniklinik geflogen“, erfahre ich später.

Vor Ort treffe ich einen anderen Pressevertreter. Einen, den ich recht gut kenne, früher hat er auch für unser 112-Magazin gearbeitet, ist dann aber umgezogen. Wir werden von einem netten Feuerwehrmann, Pressesprecher Lars Schäfer, betreut. Er erklärt uns in ersten Zügen, wie das weitere Vorgehen sein wird. „Wir brauchen noch ein bisschen. Dann dürft Ihr auch gleich fotografieren“, erklärt er uns. Die Absprachen laufen blind. Stören wollen wir auf gar keinen Fall. Hinter dem Flatterband stehen ein schwarzer Benz, ein grauer Polo und ein schwarzer Audi. Etwas weiter ein Sattelzug. Und die Feuerwehr. Mit 25 Einsatzkräften waren die Einheiten aus Oberdieten und Niederdieten am Morgen ausgerückt. Viele Polizeibeamten nehmen die Unfallstelle in Augenschein, beraten sich. Der Rettungsdienst ist zum Großteil wieder abgerückt. Der Mercedes und der Polo scheinen kollidiert zu sein. Dazu braucht man kein Fachmann sein. Vorher, so heißt es später in der Pressemitteilung, habe eines der beiden Fahrzeuge den Sattelzug überholt, der in Richtung Oberdieten fuhr und von einem 43-jährigen Litauer gesteuert wurde. Dann sei es zur Kollission mit dem entgegenkommenden Pkw gekommen und eines der beiden Fahrzeuge sei noch in den Lkw eingeschlagen. Welches, das war auch bei Verfassen der Pressemitteilung immer noch unklar. Über dem Polo liegt eine Wolldecke, was das Schlimmste befürchten lässt. Fotos zu machen verbietet sich in dieser Situation. Dazu braucht es keine Ansprache. Nur wenige Augenblicke später bekommen wir die traurige Bestätigung. „In dem Polo befindet sich eine verstorbene Person“, erklärt uns ein Feuerwehrmann. „Scheiße“, fährt es uns über die Lippen. Ganz automatisch. Auch, wen man „nur“ als Berichterstatter vor Ort ist, berührt einen so ein Schicksal. Auch, wenn das in der Öffentlichkeit schon einmal anders gesehen wird. Wir warten auf das weitere Vorgehen. Ein Gutachter muss erst Fotos von der Einsatzstelle machen, damit im Nachhinein keine Fragen zur Klärung offen bleiben. Mit Kamera und Drohne arbeitet der Profi. Mit Messrad und Maßband. Er muss der Polizei und der Staatsanwaltschaft später helfen, den Hergang dieser Tragödie zu klären. Er hat nur diese eine Chance, Fotos von der Unfallstelle zu machen. Wenn die Feuerwehr die verstorbene Frau aus dem Polo geborgen hat, wird der Wagen anders aussehen, als direkt nach dem Aufprall. Dann können Einschlagstellen, Spuren oder Prellmarken unter Umständen nicht mehr richtig interpretiert werden.

Nachdem Gutachter und Feuerwehr ihre Arbeiten abgeschlossen haben, werden wir von einem Polizeibeamten nach vorne gebeten, um die Unfallstelle zu fotografieren. Hier wird die Wucht des Zusammenstoßes deutlich. Weit verteilt liegen Trümmerteile und Gegenstände aus den beiden Wagen. Taschen, Schuhe, Rucksäcke, Ersatzbirnchen, Kopfstützen und viele nicht mehr erkennbare Teile oder Scherben. Der Mercedes Kombi ist in der Fahrerseite des Polo eingeschlagen, oder der Polo mit der Fahrerseite in der Front des Mercedes. Das lässt sich noch nicht klären. Und der Audi ? Ein Fahrzeug von zwei Unfallzeugen.

Zwei Feuerwehrleute stehen mit einem Schnellangriffsrohr am Rand. Sie stellen bereits seit über drei Stunden den Brandschutz sicher. Sie konnten nicht weg gehen dort. Zu keiner Zeit. Sie mussten alles mit ansehen und erleben. Die ganze Zeit. Genau so, wie alle anderen Menschen, die ehren- oder hauptamtlich an der Einsatzstelle gearbeitet haben. Da hatten wir es als Fotografen einfacher. Wir konnten uns umdrehen, zurückgehen. Wir wurden von den Polizeibeamten erst dann gerufen, als die schlimmsten Eindrücke nicht mehr zu erkennen waren. Die Einsatzkräfte hatten dieses Glück nicht, konnten nicht ausweichen, wurden nicht „behütet“, bis das Schlimmste vorbei war. Viele von ihnen müssen gleich noch zur Arbeit gehen, als wäre nichts gewesen.

Die Polizeibeamten vor Ort müssen sich um die Identifizierung der verstorbenen Frau kümmern – und ihrer Familie mitteilen, dass die Tochter nicht wieder nach Hause kommt. Die Frau war erst 20 Jahre alt, stammt aus dem Hinterland. Das wird die Polizei später mitteilen.

Im Mercedes befanden sich neben dem mutmaßlichen Fahrer, jener 36-jährige, der nach Gießen geflogen wurde, auch ein 40-jähriger Mann und eine 40-jährige Frau. Außerdem waren zwei Kinder im Alter von zwei und zwölf in dem Mercedes. Sie alle wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht. Ebenfalls ins Krankenhaus kamen die zwei Unfallzeugen aus dem Audi, die unmittelbar hinter einem der Unfallwagen fuhren. Sie wurden zwar nicht körperlich verletzt, erlitten aber ein psychisches Trauma.

Nach Stunden der Arbeit war die Bundesstraße wieder für den Verkehr freigegeben.

Am Ende stehen die besten Wünsche für alle Unfallbeteiligten und deren Familien und Freunde. Ebenso eine neidlose Anerkennung für die hervorragenden Leistungen aller Einsatzkräfte vor Ort. Die Feuerwehren, die Rettungsdienste aus drei Landkreisen, die Luftrettung, die Polizeibeamten, den Gutachter, den Einsatzleiter, das Bestattungsunternehmen, den Leitenden Notarzt und den Organisatorischen Leiter Rettungsdienst. Auch an die vielen Leute im Hintergrund. Die unterschiedlichen Disponenten der Leitstellen, die hier die richtigen Alarmierungsentscheidungen getroffen haben, die die Kliniken für die Verletzten organisiert haben und Ansprechpartner für die Einsatzkräfte waren.

Deshalb sehen wir ein Like unter unserem Artikel ausschließlich als Anerkennung für diese Menschen und als Respekt vor ihrer wertvollen Arbeit.