Schwerer Unfall auf der B 236

Mittwoch, den 12. Juni 2019 um 20:39 Uhr Verfasst von  Matthias Böhl
Die Fahrerin des Polos wurde von der Feuerwehr befreit. Die Fahrerin des Polos wurde von der Feuerwehr befreit. Fotos: Matthias Böhl, 112-Magazin

WINTERBERG. Zu einem Verkehrsunfall mit einer eingeklemmten Person wurden heute um kurz vor 15.00 Uhr die Feuerwehr Winterberg, der Rettungsdienst und ein Notarzt des Hochsauerlandkreises, sowie die Polizei auf die B 236 kurz vor dem Winterberger Herrlohtunnel am Abzweig zum Waltenberg alarmiert.

Als Ersthelfer war bereits ein Krankentransportwagen der Feuerwehr Paderborn vor Ort. In drei Pkw wurden insgesamt drei Menschen verletzt. Eine Frau musste von der Feuerwehr befreit werden.

Wie die Polizei vor Ort mitteilte, war eine Frau mit ihrem schwarzen Polo vom Herrlohtunnel kommen in Richtung Winterberg unterwegs. „Die Dame wollte nach links auf den Waltenberg einbiegen und ihre Ampel zeigte auch grün“, erklärte ein Polizeibeamter. Die Frau sei jedoch wartepflichtig gewesen, da die Ampel für den Gegenverkehr ebenfalls grün zeige und man erst abbiegen könne, wenn der Gegenverkehr abgefahren sei, hieß es weiter.

Zunächst hatte die Frau auch angehalten, um einen silbernen Toyota, der aus Richtung Neuastenberg kam, durchfahren zu lassen. „Dann ist sie aber – warum auch immer – doch los gefahren“, erklärt der Polizeibeamte weiter. Im Kreuzungsbereich kam es dann zum Zusammenstoß. Der Aufprall war dabei so heftig, dass der Toyota in einem angrenzenden Graben landete und der Polo der Unfallverursacherin wieder zurückgeschleudert wurde und dabei gegen einen dritten Wagen prallte, einen schwarzen Skoda. Zudem drehte der Polo sich um 180 Grad.

Weil der Rettungsdienst bei der Verursacherin Verletzungen der Wirbelsäule nicht ausschließen konnte, wurde die Feuerwehr zur schonenden Rettung eingesetzt.

Unter der Einsatzleitung von Löschzugführer Tim Braun trennten die Kameraden mit der Rettungsschere das Dach des Polos ab, während die Patientin von den Rettungskräften betreut wurde. Mehrere Rettungsassistenten, die sich sowohl im Löschzug engagieren, als auch bei der Rettungswache in Winterberg arbeiten, konnten ihre Kollegen so exzellent unterstützen. Nachdem es der Zustand der Patientin erlaubte, wurde sie dann ganz schonend auf die Vakuummatratze des Rettungsdienstes gelagert. Dabei handelt es sich um eine mit Styroporkügelchen gefüllte Kunststoffmatratze, die sich genau an die Konturen des Körpers anpasst, wenn ein Verletzter darin liegt. Anschließend wir die Luft aus der Matratze abgesaugt, bis ein Vakuum entsteht und die Kügelchen so aneinander gesaugt werden und praktisch eine feste Form bilden. Daher der Name „Vakuummatratze“. Diese Matratze kommt bei Verdacht auf Wirbelsäulenverletzungen, aber auch nach Anlage eines Beckengurtes bei Verdacht auf Beckenbrüche, oder bei Verdacht auf Frakturen der Beine zum Einsatz.

Anders als bei der Crashrettung von lebensbedrohlich verletzten Patienten spielt hier die Zeit nur eine untergeordnete Rolle. Die Patientin hier war nicht zeitkritisch. Die hier durchgeführte „Patienten orientierte Rettung“ dient in erster Linie einer Stabilisierung der Wirbelsäule. „Immobilisation“ heißt das im Fachjargon. Das ist deshalb wichtig, weil durch die Wirbelsäule die Nerven verlaufen, die ursprünglich dem Gehirn entspringen und von der Wirbelsäule aus in alle Körperregionen abzweigen. Werden diese Nerven gequetscht, gedrückt oder verletzt, kann dies dazu führen, dass die entsprechenden Körperfunktionen nicht mehr funktionieren, ein Patient zum Beispiel eine Querschnittlähmung erleidet. Um nach einem Unfall mit Wirbelsäulenbeteiligung solche Folgeschäden zu verhindern, oder gering zu halten, kommt der Immobilisation eine große Bedeutung zu.

Aber nicht nur bei dieser für die Patientin optimalen Rettung unterstützte die Feuerwehr den Einsatz. Sie machte noch mehr: „Wir mussten auslaufende Kraftstoffe abstreuen und den Brandschutz sicherstellen“, erklärte Tim Braun vor Ort. Insgesamt waren 24 Kameraden des Löschzuges Winterberg vor Ort.

In den beiden anderen Fahrzeugen, die am Unfall beteiligt waren, wurden zwei Menschen jeweils leicht verletzt.

Um sich für die Unfallaufnahmen und die Beweissicherung ein genaues Bild zu verschaffen, arbeitete die Polizei vor Ort mit Sprühfarbe: Zum einen wurden die Fahrzeuge dabei mit Nummern markiert. „01 steht für das Verursacherfahrzeug, 02 und 03 für Geschädigte oder Beteiligte – je nachdem“, erklärt ein Polizeibeamter. Weiterhin markierten die Beamten auf der Straße sie genauen Standorte der jeweiligen Unfallfahrzeuge und sprühten auch an definierten Messpunkten Markierungen auf die Straße. Mit Hilfe dieser Markierungen konnten die Fachleute im Anschluss mittels des so genannten Monobildverfahrens die Unfallstelle für ihre Beweissicherung genau einteilen.

Schließlich wurden alle drei Fahrzeuge abgeschleppt. Während der Rettungs- und Bergungsarbeiten musste die B 236 zwischen dem Waltenberg und dem Herrlohtunnel über eine Stunde in beiden Richtungen voll gesperrt werden.

Zuletzt geändert am Mittwoch, den 12. Juni 2019 um 21:53 Uhr