Rettungshund Cooper: Mit Kartoffelbrei zurück ins Leben

Montag, den 25. Februar 2013 um 10:06 Uhr Verfasst von  Sascha Pfannstiel
Überglücklich: Andrea Skibak von der Rettungshundestaffel im DRK Korbach/Bad Arolsen mit Labrador Cooper - er hat die Vergiftung bislang gut überstanden. Überglücklich: Andrea Skibak von der Rettungshundestaffel im DRK Korbach/Bad Arolsen mit Labrador Cooper - er hat die Vergiftung bislang gut überstanden. Foto: pfa

NIEDER-WAROLDERN. Damit hätte nach der schlechten Nachricht von Samstag niemand gerechnet: Rettungshund Cooper, der vermutlich Rattengift zu sich genommen hatte und in akuter Lebensgefahr schwebte, kehrt schwanzwedelnd ins Leben zurück. Seit Sonntagabend ist der zweijährige Labrador wieder zu Hause bei seinen Besitzern Andrea und Christian Skibak.

"Als am Sonntag die Tierklinik anrief und ich die Nummer im Display sah, rutschte mir das Herz in die Hose", sagt Andrea Skibak, Leiterin der Rettungshundestaffel im DRK Korbach/Bad Arolsen, "den Rest wollte ich gar nicht mehr hören - ich dachte, Cooper wäre tot". Doch die Nachricht vom Veterinär war alles andere als niederschmetternd: "Der Tierarzt sagte, ich könnte Cooper abholen". Voller Freude machte sich die 30-Jährige auf den Weg in die Tierklinik nach Kassel.

Die Freude war auch bei dem Labrador riesengroß: Beim Betreten des Wartezimmers "rannte Cooper auf mich zu, und der Tierarzt flog an der Leine hinterher", erzählt Andrea Skibak, "er ist einfach ein Kämpfer". Nach der Fahrt nach Hause in Nieder-Waroldern legte sich die Freude des körperlich noch angeschlagenen Hundes aber zunächst wieder: "Er verbindet sein Zuhause wohl noch mit den Schmerzen, die das Gift in ihm ausgelöst haben", erzählt Christian Skibak. Auch ihm sind die Bilder noch nicht aus dem Kopf gegangen, die seine Frau und er am Freitagabend ansehen mussten: "Cooper hat sich durch die Wohnung geschleppt und zog eine Blutspur hinter sich her". Den Hund nun, einige Tage später, "so zu sehen, ist einfach nur wunderschön".

Infusionen, Tabletten und Kartoffelbrei
Unter anderem mit Infusionen versorgte die Tierklinik den Labrador der seltenen Farbe Foxred - dazu musste der Arzt das Fell an beiden Vorderläufe stellenweise abrasieren, um einen Zugang zu legen. "Die Klinik hat super Arbeit geleistet", lobt Christian Skibak das behandelnde Team. Dass für die Behandlung eine Rechnung von gut 450 Euro anfallen wird, stört Andrea Skibak nicht: "Hauptsache, Cooper lebt". Um seine Genesung weiter voranzubringen, muss sie dem Hund nun täglich zahlreiche Tabletten verabreichen, unter anderem um die vom Gift angegriffene Darmflora zu behandeln.

Feste Nahrung bekommt der Rettungshund vorerst nicht. "Mit Kartoffelbrei wollen wir ihn nun wieder an normales Futter gewöhnen", sagt Andrea Skibak. Am Montagvormittag sollte der Hund lediglich eine Messerspitze Brei bekommen, im Laufe des Tages etwas mehr. In den folgenden Tagen könnten dann andere Inhaltsstoffe hinzukommen, erklärt die 30-Jährige. Sie hofft, dass sich Cooper in einigen Wochen vollends von der Vergiftung erholt hat.

Auf die Arbeit in der Rettungshundestaffel muss der kräftige Labrador vermutlich bis zum Frühjahr verzichten. Falls die Staffel in dieser Zeit für Sucheinsätze angefordert werden sollte, stehen noch zwölf andere Hunde zur Verfügung. Außerdem kooperiert die hiesige Staffel mit den Kollegen im Schwalm-Eder-Kreis, so dass im Ernstfall immer genügend Hunde und Führer bereitstehen. Im vergangenen Jahr war die Gruppe um Andrea Skibak dreimal alarmiert worden, um nach vermissten Menschen in Not zu suchen. Damit Menschen und Tiere fit sind für ihre anspruchsvolle Aufgabe, haben die acht aktiven Mitglieder der Staffel im vergangenen Jahr 5100 Stunden trainiert. Und schon bald darf auch Cooper wieder üben, um im Ernstfall Menschenleben zu retten...

Hintergrund:
Rattengift hemmt die Blutgerinnung und führt nach Auskunft des Korbacher Tierarztes Dr. Thomas Liedtke dazu, dass "die Tiere innerlich verbluten". Neuere Gifte würden erst nach einigen Tagen wirken, um bei Ratten einen Lerneffekt zu verhindern. Um Menschen vor der Gefahr von Rattengift zu warnen, sind die Körner rot oder violett gefärbt. Dass Tiere das Rattengift fressen, liege am Geruch - der ist ähnlich wie bei Getreide oder Haferflocken. Labradore wie Cooper seien sehr verfressen und würden daher eher Gefahr laufen, Gift zu fressen, als andere Hunde. Als Gegenmittel würde er einem betroffenen Hund das Vitamin K1 verabreichen, erklärte Dr. Liedtke von der Tierärztlichen Gemeinschaftspraxis Liedtke und Kolberg auf Anfrage 112-magazin.de.


Noch immer werden Zeugen gesucht, die Angaben darüber machen können, wer das Gift in Nieder-Waroldern ausgelegt hat. Hinweise nimmt die Korbacher Polizei unter der Rufnummer 05631/971-0 entgegen.

112-magazin.de berichtete über Coopers Fall:
Rattengift: Rettungshund Cooper vergiftet (23.02.2013)
Rattengift: Rettungshund Cooper lebt (24.02.2013)

Link: Möbelkreis

Zuletzt geändert am Dienstag, den 26. Februar 2013 um 10:32 Uhr

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