"Danke"-Serie: Freunde sind für verletzten Sven Kiepe da

Samstag, den 14. Dezember 2013 um 05:37 Uhr Verfasst von  Sascha Pfannstiel

LELBACH. "Es ist schon ein komisches Gefühl, wieder über den Zebrastreifen zu gehen", sagt Sven Kiepe aus Lelbach. Auf dem Heimweg von der Schule war der Junge im September von einem Auto erfasst und verletzt worden. Im Rahmen unserer "Danke"-Serie im Advent spricht der Zehnjährige den Ersthelfern, Rettungskräften, Hubschrauberbesatzung und seinen Eltern, vor allem aber seinen Freunden einen großen Dank aus. "Sie waren immer für mich da".

Es ist Donnerstagmittag, der 19. September, als Sven Kiepe wie immer mit dem Bus von der Alten Landesschule in Korbach nach Hause in den Stadtteil Lelbach fährt. Nach dem Aussteigen muss er den Zebrastreifen auf der Bundesstraße 251 überqueren, um von der Haltestelle aus noch ein paar Schritte bis zu seinem Elternhaus im alten Lelbacher Ortskern zu gehen. Und da passiert es: Als Sven schon fast auf der anderen Straßenseite angekommen ist, erfasst eine Rentnerin den Zehnjährigen mit ihrem Wagen. Die Frau, die in Richtung Willingen unterwegs ist, gibt später der Polizei gegenüber an, auf den noch stehenden Bus - und eventuell hinauskommende Kinder - geachtet zu haben. Dabei habe sie den Jungen auf der Straße übersehen.

Der Junge wird schwer am Bein verletzt, sofort eilt ihm die Busfahrerin zu Hilfe. Noch vor dem alarmierten Rettungsdienst und Notarzt kommt auch ein Rettungsassistent, der in Lelbach wohnt, zur Unfallstelle. Eine Bekannte der Familie informiert Svens Mutter Jutta Kiepe. "Als ich die Nachricht von Svens Unfall bekam, war ich komischerweilse relativ gefasst", sagt die Lelbacherin, die wenig später am Fußgängerüberweg eintrifft und ihren "zum Glück" ansprechbaren Sohn sieht. Zu diesem Zeitpunkt hält die Busfahrerin dem Kind das verletzte Bein. "Durch den Unfall wurde Svens Patellarsehne abgerissen", erklärt seine Mutter die gravierendste Folge der unliebsamen Begegnung auf dem Überweg. Hinzu kommen schmerzhafte Prellungen und Schürfwunden.

Die Rettungskräfte entschließen sich dazu, für einen schonenden Transport des Jungen in eine Kasseler Klinik einen Rettungshubschrauber anzufordern. Den Einsatz übernimmt die Besatzung der Maschine Christoph 28 aus Fulda, dessen Pilot am Sportplatz landet. Wenig später hebt der Heli wieder ab und trifft nach neunminütiger Flugzeit am Klinikum in Kassel ein. "Wir sind auf einer Wiese davor gelandet, da stand auch noch ein anderer Rettungshubschrauber", erinnert sich der Zehnjährige. "Danach haben sie mich im Schockraum untersucht und mir Spritzen gegeben".

Freunde sind jeden Tag bei Sven zu Besuch
Nach der Operation liegt der junge Patient noch einige Tage im Klinikum, wird am 28. September entlassen. Sein verletztes und operiertes Bein wird durch eine Schiene gestreckt gehalten, erst nach für nach darf Sven das Knie wieder beugen. Bis zu den Herbstferien kann der Gymnasiast nicht zur Schule gehen. "Meine Freunde haben mir die Hausaufgaben gebracht und mich jeden Tag besucht", sagt Sven voller Dank. Und seine Mutter ergänzt: "Sogar bei Sonnenschein haben die Freunde hier gesessen und mit ihm gespielt". Dies sei ein schöner Freundschaftsbeweis gewesen.

Wie Sven selbst sind auch seine Eltern Jutta und Wilhelm Kiepe nicht nur dankbar für die Zuwendung seiner Kameraden, sondern auch für die nach dem Unfall geleistete Hilfe: "Die Rettungskräfte haben sehr gut gearbeitet und waren ganz ruhig bei der Sache", schildert Svens Mutter ihre positiven Eindrücke. Das habe sich auch auf sie selbst und letztlich auch auf ihren Sohn übertragen. Nicht zuletzt habe die Busfahrerin ihrem verletzten Fahrgast zur Seite gestanden, bis RTW und Notarzt eintrafen. Dank gelte auch dem Hubschrauber- und Klinikpersonal.

Mittlerweile klappt das Laufen schon wieder ganz gut. Mit großen Schritten - im übertragenen Sinne - geht Sven nun dem Weihnachtsfest, dem Jahreswechsel und seinem elften Geburtstag am 1. Januar entgegen. Dann dauert es auch nicht mehr lange, bis der Lelbacher wieder am Schulsport teilnehmen und zum Tischtennis in der Mehrzweckhalle gehen darf. Und dann beschleicht ihn hoffentlich auch nicht mehr das flaue Gefühl beim Betreten des Zebrastreifens.


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Zuletzt geändert am Samstag, den 14. Dezember 2013 um 06:59 Uhr