Ausnahmezustand in Meineringhausen - SEK stürmt Wohnungen

Dienstag, den 30. Juli 2019 um 19:10 Uhr Verfasst von  Lutz Benseler (WLZ)
Ein Sondereinsatzkommando stürmt ein Haus. Ein Sondereinsatzkommando stürmt ein Haus. Symbolbild: Polizei

KORBACH/TWISTETAL. Die Bundesanwaltschaft hat am Dienstag in Korbach und Twistetal Wohnungen von mutmaßlichen Rechtsextremisten durchsuchen lassen. Das berichtet die WLZ in der aktualisierten Ausgabe um 17.33 Uhr.

Die Bundesanwaltschaft hat am Dienstag unter anderem in Korbach, Meineringhausen und Berndorf (Landkreis Waldeck-Frankenberg) Wohnungen durchsuchen lassen. Hintergrund sind Ermittlungen gegen eine rechtsextremistische Gruppierung, die offenbar ihre Ziele auch mit Gewalt durchsetzen will.

Die Durchsuchungen waren Teil einer bundesweiten Aktion. Die Verdächtigen sollen eine Art „bewaffneten Arm“ der sogenannten „Wolfsbrigade“ gebildet haben. Insgesamt durchsuchte die Polizei in Sachsen-Anhalt, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen die Wohnungen von Beschuldigten. Razzien gab es darüber hinaus in den Wohnungen von vier nicht Tatverdächtigen, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte. Festnahmen seien bislang nicht erfolgt.

Ermittelt wird wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Der Ausnahmezustand im Korbacher Ortsteil Meineringhausen beginnt gegen neun Uhr: Ein Sondereinsatzkommando (SEK) stürmt ein Fachwerkhaus in der Dorfmitte durch die offene Haustür, die Beamten rufen laut „Polizei, Polizei". Die 30-jährige, die dort mit ihren drei, neun und zehn Jahre alten Kindern lebt, sagt später: „Wir waren so etwas von geschockt".

Anwohner berichteten von etwa zehn vermummten und bewaffneten SEK-Leuten, weiteren Polizisten, einem Mann im Anzug sowie drei Hunden. Eine Polizistin habe den Einsatz mit einer Videokamera gefilmt. Knapp zwei Stunden durchsuchen die Beamten das komplette Haus. Sie sei aufgefordert worden, die Hände hochzunehmen, ihrem Ex-Freund Thorsten K. (39) seien Handschellen angelegt worden. Er habe der „Wolfsbrigade“ angehört, sich aber bereits Anfang des Jahres von der rechtsextremistischen Gruppe losgesagt, berichtete die Frau im Gespräch mit unserer Zeitung. In ihrer Wohnung sei er am Dienstag nur zu Besuch gewesen. Zuvor habe die Polizei bereits ein Haus in Berndorf durchsucht, ihren Ex-Freund dort aber nicht angetroffen.

Nach Informationen des Hessischen Rundfunks gab es in einem dritten Haus in Korbach ebenfalls eine Razzia. Die Bundesanwaltschaft und das für die Ermittlungen zuständige Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt gaben auf Nachfrage unserer Zeitung keine weiteren Auskünfte zu dem Einsatz. Auf seinem Facebook-Profil zeigt sich der 39-Jährige indes noch mit den Symbolen der „Wolfsbrigade 44": Ein Totenkopf mit einer Feldmütze, Eisernem Kreuz und gekreuzten Klingen. Ein anderes Bild zeigt ein Schwert und die Worte „Dich ruft die 44". Aufgewachsen ist er offenbar in Osthessen, als Wohnort gibt er eine Stadt in Sachsen-Anhalt an. Aber auch in Korbacher Kneipen scheint er sich zu Hause gefühlt haben. Welche Rolle er spielt, bleibt offen. Mit den Ermittlungen ist das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt beauftragt. Genauso wie die Bundesanwaltschaft will das LKA zum gegenwärtigen Zeitpunkt aufgrund der laufenden Ermittlungen keine weitergehenden Auskünfte erteilen. Nur so viel: Die Beschuldigten eint eine rechtsextremistische Gesinnung, wie die Bundesanwaltschaft gestern mitteilte. So sollen sie im Jahr 2018 innerhalb der überregional organisierten Gruppierung „Wolfsbrigade 44" die Untergruppierung „Sturmbrigade" gebildet haben. Diese soll die Aufgabe eines „bewaffneten Arms" der „Wolfsbrigade" haben.

Erklärtes Ziel der Gruppierung ist das „Wiedererstarken eines freien Vaterlandes" nach dem „germanischen Sittengesetz". Die Durchsuchungen dienten dazu, die bestehenden Verdachtsmomente zu objektivieren. Insbesondere sollen nähere Erkenntnisse über die Gruppierung „Sturmbrigade" erlangt und geklärt werden, ob die Beschuldigten über Waffen verfügen. (WLZ/Lutz Benseler)

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Zuletzt geändert am Mittwoch, den 31. Juli 2019 um 08:12 Uhr